Wir essen den Armen "die Butter vom Brot"!

„In manchen Wochen ist so ein Ferkel weniger als 1,43 € wert. Die Züchter sagen, dass das ein bisschen wenig sei - selbst für ein Schweineleben.“

So äußert sich lapidar der Sprecher in einem Film über moderne Nutztierhaltung.

Die meisten Produkte sind im Verlaufe der letzten 50 Jahre drastisch und in den letzten 20 Jahren immer noch geringfügig billiger geworden (dabei ist nicht ihr Preis in Euro relevant, sondern die Arbeitszeit, die zu ihrem Erwerb aufgewendet werden muss). Dies trifft in besonderem Maße auf Lebensmittel zu. So müssen wir heute im Durchschnitt für ein Kilo Zucker 7 Minuten (1960: 30 Minuten), für dieselbe Menge Kartoffeln ebenfalls 7 Minuten (1960: 17 Minuten) und für einen Liter Milch 4 Minuten (1960: 11 Minuten) arbeiten. Diese niedrigen Preise sind aber nicht ohne Folgen geblieben: es gibt nur noch wenige Bauern in unserem Land, denn von der Landwirtschaft kann man heute nur leben, wenn man sehr große Mengen mit maximaler Effizienz erzeugt. Dies bedeutet z.B. Nutztiere, die nie nach draußen dürfen oder die Anwendung von Giften gegen Unkräuter und Fraßinsekten auf dem Acker. So ergeben sich neben den Bauern und den Tieren als weitere Leidtragende der Billigpreise unsere Kinder, denen eine verarmte Umwelt hinterlassen wird. Ökologisch erzeugte Produkte (Bio-Lebensmittel) müssen ohne die oben genannten, schädlichen „Hilfsmittel“ und unter tierfreundlichen Bedingungen hergestellt werden, sind aber dadurch um 10-50 % teurer als „herkömmliche“ Ware.

Musste man für ein Pfund Kaffee 1960 noch dreieinhalb Stunden arbeiten, so ist er heute in nur 25 Minuten erwirtschaftet. Dennoch sind nur 2 % der Konsumenten bereit, 7 Minuten draufzulegen, um „fair gehandelten“ zu erwerben, der den Kaffeebauern einen gerechten Festpreis garantiert.

Besonders problematisch ist allerdings folgender Aspekt unseres Ernährungsverhaltens: wir konsumieren viel zu viel tierische Produkte (Fleisch und Milchprodukte). Es ist ein Naturgesetz, dass man zur Ernährung eines Menschen, der sich ausschließlich „tierisch“ ernährt, rund 7 mal so viel landwirtschaftliche Nutzfläche braucht wie für einen Veganer. Dies rührt daher, dass der größte Teil des von den Nutztieren gefressenen Pflanzenmaterials in Körperwärme und Bewegungsenergie umgewandelt wird und nur der verbleibende Rest sich in Form von Fleisch oder Milch wiederfindet. Die Europäer essen so viel tierisches, dass sie ihre vielen Nutztiere nicht selbst ernähren können. Paradoxerweise importieren wir daher Futter für sie auch aus der „dritten Welt“! Wir Wohlgenährten essen also im wahrsten Sinne des Wortes den Armen „die Butter vom Brot“.

Um unsere Ernährung so zu gestalten, dass andere nicht darunter leiden müssen, reicht es daher nicht aus, auf ökologisch erzeugte und fair gehandelte Produkte umzuschwenken, sondern wir müssen tatsächlich unseren Konsum von Milchprodukten und Fleisch deutlich einschränken. Die Tatsache, dass eine solche Ernährungsweise nicht nur unseren Mitmenschen, sondern auch unserer Gesundheit dienlich ist, sollte ein zusätzlicher Ansporn sein.

Axel Schmitz


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