Die Haselnuss-Bescherung

„Super“: die Preise für Haselnüsse, sofern diese überhaupt in den Geschäften zu finden sind, sind gegenüber dem Vorjahr empfindlich gestiegen. Das kann die Vorfreude in der Vorweihnachtszeit schon trüben, bedeutet es doch, auf andere Nüsse umsteigen zu müssen (die teilweise auch im Preis gestiegen sind) oder aber mehr zu bezahlen. So wird das Weihnachtsgebäck für manchen teurer als erwartet. Grund hierfür ist ein Frosteinbruch zur Zeit der Haselnussblüte in der Türkei, der dort zu Ernteverlusten führte. Nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage bedeutet dies steigende Preise. Eine schöne Bescherung!

Vielleicht kann uns dieser Umstand aber noch weitere Erkenntnisse bescheren, z.B. dass der Mensch auf die Natur angewiesen ist. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir ständig mit günstigen Produkten befüllte Regale im Supermarkt vorfinden. Schon ein vorzeitiger Frosteinbruch bringt unsere Weihnachtsvorbereitungen durcheinander und empört uns durch steigende Preise. Dabei sind wir Menschen derzeit dabei, unsere Umwelt in einem noch viel stärkeren Maße zu beeinflussen – mit ungewissem Ausgang. Was der vom Menschen beeinflusste Klimawandel für Folgen haben wird, ist nur schwer abzusehen. Er wird aber wohl langfristigere und unangenehmere Folgen haben als ein Frost zur Haselnussblüte in der Türkei. Zudem plündern wir die Ressourcen der Erde in einer Geschwindigkeit als hätten wir noch mehrere Erden in der Hinterhand oder als gäbe es kein Morgen. Ersteres ist definitiv nicht der Fall, Letzteres könnte aber sehr wohl der Fall sein. Zumindest wird dieses Morgen ganz anders aussehen, als wir es uns jetzt vorstellen. Haselnüsse sind auch nicht das Wichtigste im Leben. Wenn uns aber schon ein höherer Haselnusspreis ärgert und uns als Einschränkung unserer Selbstverwirklichung vorkommt, sollten wir an die Menschen denken, in deren Ländern die Preise für Grundnahrungsmittel extrem gestiegen sind (auch aufgrund von Lebensmittelspekulationen in reichen Ländern) und die in ihrer Heimat wirklich Not leiden. Oft werden diese Menschen bei uns als „Armutsflüchtlinge“ gering geschätzt. Schließlich haben wir nichts zu verschenken und arbeiten alle hart für unser Geld...

Weihnachten steht vor der Tür. Viele Christen glauben, dass Gott in Jesus Christus „Fleisch“ wurde und dass Gott sie durch seinen Tod und seine Auferstehung mit sich versöhnt hat. Auch wenn diese Vorstellung nicht von allen geteilt wird, so dürfte es doch weitgehend unstrittig sein, dass das Leben Jesu für uns alle ein Vorbild sein kann. Er begegnete den Armen, Kranken und Ausgestoßenen der Gesellschaft. Er machte sich selbst klein und diente den Menschen. Dabei war er unbequem und forderte die Menschen heraus, es ihm gleich zu tun. Lassen auch wir uns heute von ihm herausfordern, zu Menschen zu werden, die in ihrer Umgebung einen Unterschied machen, die anderen Menschen in ihrer Not begegnen und helfen, diese zu lindern. Das Betätigungsfeld ist leider groß, angefangen bei Problemen in der eigenen Familie und dem Wohnumfeld bis zu den globalen Flüchtlingsströmen. Es gibt viel zu tun. Packen wir's an!

Jürgen Koll


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